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Die neue Überseestadt

Hohe Erdwälle und Zollzäune - das war jahrzehntelang die Abgenzung der Handelshäfen zum Stadtteil. Lange ist es her, dass Hafenrundfahrten einen Eindruck von florierendem weltweiten Handel vermittelt haben; lange ist es her, dass die sonntäglichen Spaziergänge an die Kais des Holz-, Übersee- und Europahafens führten, an denen große Schiffe mit fremden Namen und internationaler Beflaggung den Pulsschlag des Bremer Westens markierten. Lange her ist es auch, dass Radio Bremen die Rundfunknachrichten mit dem Hinweis schloss, welche Löschgänge und welche Vorarbeiter für die nächsten Schichten benötigt werden.

Die Hafenstruktur Bremens unterliegt in den beiden letzten Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts einem dramatischen Wandel. Andere Hafenstädte – weltweit – haben diese Entwicklung bereits vorher erleben müssen.

Die Folge: Die Stadt Bremen stellt sich der schon fast historisch zu nennenden Aufgabe, die Alten Hafenreviere neu zu definieren.Grundlage dafür ist die in 2000 vom Senat beschlossene "Entwicklungskonzeption", die als Basis für die erschließungstechnische, nutzungsmäßige und stadtwirtschaftliche Neuplanung dient. Einzelheiten sind dem "Masterplan" zu entnehmen, der drei Jahre später, 2003, Gegenstand eines Senatsbeschlusses war. Aufgeteilt in acht Zonen (Holz-und Fabrikenhafen, Überseepark, Frischezentrum, Überseetor, Speicherhof, Europahafen, Hafenvorstadt und Weserufer) werden für die fast 300 ha Fläche der neuen "ÜBERSEESTADT" Ideen entwickelt, die bis zum Jahr 2020 ein endgültiges Gesicht bekommen soll. Natürlich gibt es dabei Interessenskonkurrenzen: so ist der Begriff des "Bestandsschutzes" für das am Holzhafen unverändert tätige Gewerbe von elementarer und existenzieller Bedeutung.

Weitere Nutzungsformen beziehen sich auf Gewerbe und Dienstleitungen; auch Wohnen soll an ausgesuchter Stelle möglich sein.

Mit der Ansiedlung des Großmarktes sowie der Revitalisierung des Speichers XI, in dem jetzt unter anderem die Hochschule für Künste und das Hafenmuseum zu Hause sind, wurden erste neue Akzente gesetzt. Die Neugestaltung des Waller Stiegs, die verkehrliche Erschließung mit ihrer Anbindung an die Überseestadt sowie die Präsenz des ÖPNV (Straßenbahnlinie 3, Buslinie 26, 28) haben die Infrastruktur des Waller Ortsteils Überseestadt entscheidend verbessert. Mit dem Weser-Tower und dem Landmark-Tower sind signifikante architektonische Akzente gesetzt worden. Das Krantor, die Revitalisierung von Hafenhochhaus und Schuppen 1 sowie die bauliche Entwicklung im Umfeld des Landmarktowers zeugen von unternehmerischer Initiative und beinhalten eine richtungsweisende Nutzungsvielfalt. Gleiches gilt für die "Dienstleistungsmeile" an der Konsul-Smidt-Straße. Einzelhändler und Unternehmer in diesem Umfeld haben sich hier unter dem Namen Stilhafen Überseestadt zusammengefunden.

Mit der aufwändigen Umgestaltung des Europahafens einschließlich der Gestaltung des Ludwig-Franzius-Platzes hat die Stadtgemeinde das Engagement der privaten Investoren begleitet. Im gleichen Zusammenhang sind der Hilde-Adolf-Park und das Franz-Pieper-Carree zu nennen, mit denen die Stadtgemeinde landschaftsgestalterische Akzente gesetzt hat.

Unter dem Stichwort "Kaffeequartier" und "Hafenkante" steht die Entwicklung weiterer Flächen an, die sich dem Thema "Wohnen" widmen.

Der Stadtteilbeirat Walle wird die weiteren Planungs- und Entscheidungsprozesse in der Überseestadt wie bisher eng begleiten.